Notizen aus dem Samland 218 II/2018

 

 

Dieses Frühjahr hat den Bewohnern der an der Ostseeküste des Samlands gelegenen Ortschaften, Urlaubern und Touristen eine Sehenswürdigkeit beschert – die Überreste eines Urwalds, der sich normalerweise unter Wasser verbirgt und nicht zu sehen ist. Dass die grauschwarzen Baumstämme und -wurzeln nun beobachtet werden können, ist an sich keine Sensation, diese Naturerscheinung kommt hier nicht zum ersten Mal vor. Trotzdem zieht sie jedes Mal die Aufmerksamkeit von Menschen auf sich – umso mehr, dass die Ostsee Urlaubern und Touristen seit einiger Zeit nur ganz dünne Strände gönnt. Die Webseite www.newkali ningrad.ru versuchte in Erfahrung zu bringen, was den jeweiligen Verlauf der Wasserkante bestimmt.

Winde sind es, die den Verlauf der Wasserkante und die Breite der Strände maßgeblich beeinflussen. Meist sind es hier Westwinde, die das Meereswasser in Richtung Küste drücken. Manchmal aber wendet sich das Blatt und die schmalen Strände gewinnen plötzlich an Breite. So ist es beispielsweise 2009 gewesen, als sich bei Cranz (Selenogradsk) infolge starker ablandiger Winde ein 40 Meter breiter Strand bildete. Voriges Mal konnte man diese Naturerscheinung im Herbst 2016 beobachten, als die Wasserkante um 15 bis 20 Meter seewärts zurückgewichen und der Wasserpegel um 0,6 Meter gesunken war. Entlang der Küste der Frischen Nehrung hatten sich damals sogar mehrere kleine Inseln gebildet. Sie wurden aber wieder überflutet, sobald die Stärke des Ostwindes nachgelassen hatte. In Cranz bringt das Zurückweichen der Ostsee eine optische Attraktion mit sich: Man bekommt den sogenannten „uralten Wald“ zu sehen (manche Leute nennen ihn sogar einen „Reliktwald“). Dort, wo die Kurische Nehrung ihren Anfang nimmt, kommen uralte Baumpfähle und Wurzeln zum Vorschein, die normalerweise recht tief unter Wasser verborgen sind und für niemanden ein Problem darstellen. Sie sind die Reste eines uralten Waldes, den es hier vor langer Zeit an der Stelle einer im 8. bis 10. Jahrhundert n. Chr. bestehenden schiffbaren Meerenge gab. Die Zeitung „Wolna“ schreibt, dass diese Meerenge damals den Namen Brockist trug, sie wurde mit der Zeit größtenteils von Sand übergeschüttet, während am anderen Ende der Kurischen Nehrung eine andere Meerenge entstand. Brockist wurde nach und nach zu einer mit Wald bewachsenen morastigen Gegend, die später wieder vom Meer „verschlungen“ wurde. Der Sand, der die Reste dieses alten Waldes bedeckt, wird bei starken Seestürmen von Strömungen mitgenommen und weggetragen und wenn dann die Ebbe kommt, ragen die Überreste des fossilen Waldes aus dem Wasser hervor.

Auf der Kurischen Nehrung sind im sogenannten „tanzenden Wald“ Dutzende von Artilleriegeschossen und mehrere Hundert Stück Schusswaffenmunition aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zufällig entdeckt worden.
Dies berichtet der Direktor des Nationalparks, Anatoly Kalina, im Sozialnetzwerk „Facebook“. Eine Sondereinheit des Katastrophenschutzes hat den Fund ordnungsgemäß geborgen und unschädlich gemacht.

Dem WM-Stadion auf der Oktober-Insel in Königsberg drohe keine Überflutung. Das hat der Vizepremierminister der russischen Regierung, Vitali Mutko, in einem Interview mit dem Internetportal www.championat.com versichert. Ein Journalist fragte Mutko, was er denn von Gerüchten halte, nach denen das Stadion angeblich bald im Erdboden versinken werde. „Völliger Blödsinn“, antwortete der Vizepremierminister. „Das Stadion stützt sich auf Pfähle, die in den Erdboden gerammt sind. Das ist der Grund, warum die Baukosten in Kaliningrad viel höher als woanders ausgefallen sind.“ Um alle Risiken von vornherein auszuschließen, wurde seinerzeit beschlossen, nicht nur das Stadion, sondern auch alle dazugehörigen technischen Anlagen auf Pfählen zu bauen. Es wurde außerdem für die Verfestigung und die Entwässerung des Bodens ausreichend gesorgt. Eine Kontrollkommission der FIFA habe kürzlich das Stadion besichtigt und es für sehr gut befunden. Die Behörden haben zuvor ebenfalls versichert, dem Stadion drohe keine Gefahr. Einige Probleme stellten sich allerdings beim Straßenbau auf der Oktober-Insel ein, weil da der Boden zunächst auch noch verfestigt werden musste. „Was das Stadion angeht, so ist da alles in bester Ordnung. Probleme gibt es nur bei der Bebauung und Verschönerung von anliegendem Gelände. Aber dafür ist eine andere Behörde verantwortlich“, sagte ein Sprecher der beauftragten Gesellschaft „Sport-Engineering“.

Das Königsberger Statistikamt nahm Verteuerungen von Nahrungsmitteln im Gebiet unter die Lupe. Sein Ziel war es festzustellen, welche Waren im vergangenen Jahr um wieviel Prozent teurer wurden. Der größte Preisanstieg ist bei Kartoffeln und Gemüse zu verzeichnen, Obst und Gemüse wurden 2017 um 9,5 Prozent, Butter um 7,4 Prozent, Brot und Brotwaren um 6 Prozent teurer. Bei Milch und Milchwaren konnte ein Preisanstieg von 5,8 Prozent, bei Fisch und Meeresfrüchten von 4,3 und bei Spirituosen von 2,1 Prozent festgestellt werden.

Nach Angaben der Suchmaschine „Momondo.ru“ sind für die Zeit der Fußball-WM (13.06. bis 16.07.2018) jetzt schon 18 Mal so viele Tickets für Flüge nach Kaliningrad wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres gebucht worden. Man erwartet, dass besonders viele Fußballfans aus Deutschland anreisen würden.

Quelle: Königsberger Express