Notizen aus dem Samland 219 III/2018

 

An den Sommer 2018 wird bestimmt noch lange im heutigen Nordostpreußen zurückgedacht werden. Und nicht nur wegen der Spiele der Fußballweltmeisterschaft. Die erste Hälfte dieses Sommers wird bestimmt auch in Ostpreußen als einer der trockensten und gleichfalls wärmsten Zeitabschnitte der jüngsten Geschichte dieses Landstrichs eingehen. Die panische Flucht der Stadtbevölkerung an heißen Wochenenden an das Meer hat auch Palmnicken miterleben müssen, denn wo sonst gibt es noch im Samland so einen schönen und auch gepflegten Strand? Eine unendliche Autoschlange quälte sich im Schneckentempo durch den Ort, in der Hoffnung irgendwo noch eine Parkmöglichkeit zu finden. Das Laub der Bäume zeigt eine geradezu südländische Üppigkeit.

Da der Bauboom im Samland immer noch anhält und sonstige Veränderungen der Infrastruktur sehr lebhaft von sich gehen, tut sich auch allerhand im weltbekannten Bernsteinort. Neue Häuser werden gebaut, bald wird es kaum noch einen freien Platz wegen der vielen Bernsteinverkaufsstellen geben und es werden auch Schienen der alten Eisenbahn abmontiert. Dort, wo früher die Baptistenkapelle stand, erhebt sich ein ganz anders aussehender Bau, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche gehörende Hotel „Aquamarin“. In unmittelbarer Nähe stehen „bescheidene“ Behausungen der „armen russischen Sozialhilfeempfänger“, etwas Konkreteres weiß man von diesen Leuten nicht.

Eine wirklich erfreuliche Tatsache ist, dass das schwer durch den Brand beschädigte Haus von Suppliet wiederhergerichtet wird und ein neues Dach bekommt. Nicht so schön ist der Verdacht, dass der Bernsteinabbau Richtung Grosser Hausen geht, was das Verschwinden der herrlichen bewaldeten Hügel zur Folge haben wird. Aber die Welt ist leider weit von der Vollkommenheit entfernt, worauf schon der große Kaliningrader Philosoph Immanuel Kant hinwies.

Ewgeni Snegowski