Notizen aus dem Samland 216 IV/2017

 

Die touristische Attraktivität der östlichen Teile des Königsberger Gebietes soll mehr in den Vordergrund gerückt und weiter ausgebaut werden. Prognosen zufolge werden 2020 circa 107.000 Touristen aus dem In- und Ausland den Osten des Gebietes besuchen. 2016 sind es beispielsweise 71.200 Besucher gewesen. Um möglichst viele Reiselustige, nicht nur zur Fußball-WM, in den östlichen Teil des Gebietes zu locken, plant man dort die touristische Infrastruktur auszubauen. Es sollen beispielsweise noch mehr Parkplätze für Pkw und Reisebusse eingerichtet werden. Außerdem stellt der Staat Gasthäusern, Pensionen und Campingplätzen, die im Osten des Gebietes entlang touristischer Reiserouten gelegen sind, finanzielle Unterstützung in Aussicht. Man plant dort auch ein touristisches Informationszentrum ins Leben zu rufen.

Der Bau eines Kanals quer durch den polnischen Teil der Frischen Nehrung könnte Auswirkungen auf die Umwelt haben. „Es ist vollkommen klar, dass es nicht unsere Absicht ist, den Abgeordneten des polnischen Sejms eine Lehre zu erteilen. Wenn wir ihnen unsere Bedenken mitteilen wollen, so machen wir das lieber über unser Außenministerium. Uns kommt es einzig und allein darauf an, dass Baupläne unserer polnischen Kollegen keine Umweltkatastrophe zur Folge haben. Und dass sie nicht unsere Fischerei, die ja ein wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaft ist, gefährden“, sagte das Gebietsoberhaupt Anton Alichanow. Der ihm untergeordnete Ökologie-Rat hat eine Arbeitsgruppe für die ökologische Risikobewertung des Kanals und des zugehörigen Schiffsverkehrs eingerichtet. Der Arbeitsgruppe gehören Ökologen, Politiker und Umweltschützer aus Königsberg an – insgesamt siebzehn an der Zahl.

Das Königsberger Soziologiezentrum hat die Gebietsbewohner auf ihr soziales Selbstbefinden befragt. Jeder Zweite der insgesamt eintausend Befragten äußerte sich zu der Lage in der Region eher negativ. 32 Prozent der Befragten stufen ihr eigenes Einkommen als niedrig oder sehr niedrig ein. Die Hälfte von ihnen bedauern, dass sich ihre materielle Lage besonders in den letzten drei bis vier Monaten merklich verschlechtert hat. Das widerspricht übrigens den offiziellen Angaben des Statistikamtes, welche die Inflation verniedlichend als niedrig bezeichnen. Das Einkommen der meisten Menschen ist erheblich gesunken. Lediglich elf Prozent der Befragten bewerten ihre materielle Lage als zufriedenstellend. Die schlechte Qualität von kommunalen Dienstleistungen und steigende Tarife in diesem Bereich bilden den zweiten Schmerzpunkt des sozialen Selbstbefindens in der Region. Drittens macht die schlechte Straßenqualität den Menschen im Gebiet große Sorgen. Im Vergleich zu der vor drei Jahren durchgeführten Umfrage wiesen heute viel mehr auf diesen Mangel hin.

Planungen zufolge sollen die Bernsteinförderer und -verarbeiter innerhalb der nächsten drei Jahre zu einem Industriecluster zusammengeschlossen werden. Letzteres ist jetzt schon provisorisch auf den Namen „Bernstein-Tal“ getauft worden. Das Ziel des Clusters wird es sein, die Arbeit von 50 bis 60 Firmen, die sich mit Bernstein beschäftigen, aufeinander abzustimmen und so die Erhaltung von circa 2.000 Arbeitsplätzen im Gebiet zu sichern. Das „Bernstein-Tal“ wird sich voraussichtlich aus zwei Betriebsteilen zusammensetzen: dem bei Palmnicken, wo Bernstein abgebaut wird, und einem anderen bei Königsberg, wo die meisten Bernsteinverarbeiter ansässig sind. Sie alle erhalten dann Präferenzen zum Erwerb von Rohbernstein und einige andere Privilegien.

Die Segelfliegerei ist eine schöne Tradition, welche die Kurische Nehrung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit bekannt machte. Aber auch in unserer Zeit kann man sich am Anblick von über der Nehrung schwebenden Segelflugzeugen, zumindest einmal im Jahr, erfreuen. So ist auch am 6. August 2017 ein Luftsegler sieben Mal von einer Wiese bei Rossitten in die Luft abgehoben. Am Steuerknüppel nahmen einer nach dem anderen sieben deutsche Sportflieger Platz, darunter auch eine Fliegerin. Sie alle waren extra dazu aus Deutschland angereist. Und sie hatten einen echten Odltimer, das historische Segelflugzeug „Grunau Baby 2B“ zum Segelflugtag auf der Kurischen Nehrung mitgebracht. Gestartet wurde traditionell mit Hilfe von Gummisträngen, die im Fachjargon Gummihunde genannt werden. Die Segelflüge hätten an diesem Tag noch schöner und eindrucksvoller sein können, wenn es nur nicht einen sehr starken Seitenwind und ab und zu auch noch Regen gäbe. Deshalb wurde jeder gelungene Start von zahlreichen Zuschauern begeistert beklatscht.

Die offizielle Amtseinführung des neugewählten Gouverneurs Anton Alichanow fand am 29. September 2017 in einer außerordentlichen Sitzung der Kaliningrader Gebietsduma statt. Der neue Gouverneur legte einen Eid ab und versprach, „die Rechte und Freiheiten von Menschen und Bürgern zu schützen, die Verfassung und die Gesetze der Russischen Föderation sowie die Satzung und die Gesetze des Kaliningrader Gebietes zu wahren und im Interesse und zum Wohle der Gebietsbewohner zu handeln“. Die Vorsitzende der Gebietsduma, Marina Orgejewa, überreichte ihm dann ein auf der Brust zu tragendes Gouverneursabzeichen, welches von nun an Alichanows hohen Rang als Gebietsoberhaupt symbolisieren soll.

Quelle: Königsberger Express