Notizen aus dem Samland 217 I/2018

 

Großbaustelle im Samland – Ja im Samland tut sich was. Man kann sich nur wundern, was es an reger Bautätigkeit vielerorts gibt! Wahrscheinlich ist sie vergleichbar mit der Bauintensivität irgendwo an der spanischen Küste. Vielleicht hofft man dabei, dass die unzähligen Wohnungen Interessenten auch vom Ausland hierher locken werden. Man hofft bestimmt, dass durch die Fußball-Weltmeisterschaft viele Ausländer für sich diese Region entdecken werden und ebenso Lust bekommen, hier etwas anzufangen. Deshalb wird versucht, die Attraktivität des Gebietes Kaliningrad mit allen möglichen Mitteln zu erhöhen. Nach meiner Sicht übertreibt man aber ziemlich stark dabei. In Rauschen wird ein gewaltiges Projekt der Befestigung der Steilküste realisiert.

Die neue Steilküste nimmt Gestalt an. Foto: Jewgenij Snegowski

Der 40 Meter hohe Steilhang wurde ganz auf der Länge von mehreren hundert Metern von oben bis unten mit dicken Stahlnetzen abgedeckt. Unten rammt man in den Meeresboden Stahlpfähle ein, um etwas Land vor der Steilküste dem Meer abzugewinnen. Auf dem trockengelegten Landstreifen entsteht schon eine Verlängerung der alten Promenade, welche sich bis zur Sassauer Schlucht hinziehen wird. Wird aber dadurch das Abrutschen der Steilküste auf alle Zeiten gestoppt? Weiter im Osten, zwischen Neukuhren und Rantau, wurde vor einigen Jahren eine Residenz vom russischen Präsidenten direkt am Wasser gebaut. Den wilden Steilhang formte man zu einer ebenmäßig ansteigender Rasenfläche mit einem sehr solide wirkenden Hauptgebäude zur Residenz ganz oben. Unten baute man eine Betonpromenade und einen, die Residenz von der übrigen Welt trennenden Zaun, aus hohen spitzen Eisenstangen. Aber es geschah etwas Unvorgesehenes. Erst verschwand der Strand und dann begannen die Wellen ungehindert direkt gegen die Promenade zu schlagen. Die Rasenfläche hinter dem Zaun bekam Risse, die immer tiefer wurden. Im vergangenen Sommer wurde zum Abwehr der Wellen eine Spundwand an der Promenade gebaut. Innerhalb von einigen Monaten wurde sie ganz zerstört. Das Meer unterspült weiter ungehindert den Hang und ein neuer wilder Steilhang ist im Entstehen. Nun wird das große „Herrenschloss” ganz ernsthaft bedroht. So kann man aus dem Nichts eine recht spannende Sache ins Leben rufen! Bleibt abzuwarten, wie sich die Natur immer weiter in das Land hinein arbeitet, denn auch im Samland muss man mit dem ansteigenden Meeresspiegel durch die globale Erderwährmung rechnen.

Jewgenij Snegowski

 

 

Besucher, welche geplant haben, das Samland mit dem Auto zu Breisen, müssen sich derzeit auf eventuelle Einschränkungen einstellen. Grund dafür ist der Ausbruch der afrikanischen Schweinepest (ASP). Die gefährliche Tierseuche wurde Ende 2017 bei Wildschweinen in der Umgebung der grenznahen Städte Preußisch Eylau (Bagrationowsk) und Ludwigsort (Laduschkin) entdeckt. Die Behörden treffen Maßnahmen gegen die Verbreitung der Tierseuche, sie haben in den betroffenen Gegenden eine Quarantäne verhängt. Auf Straßen, welche diese Territorien mit anderen Teilen des Kaliningrader Gebietes verbinden, sind Desinfektionsperren und Kontrollpunkte eingerichtet worden. Aufgabe der Letzteren ist es, den Güter- und Personenerkehr in den betroffenen Gegenden auf ein absolut notwendiges Mindestmaß zu beschränken und ein übergreifen der Seuche auf den restlichen Teil des Gebietes zu verhindern. An den Verbindungsstraßen sind Sperren errichtet, an denen Vorbeugemaßnahmen getroffen sind. Die Sperren funktionieren im 24-Stunden-Betrieb, die wachhabenden Polizisten und Tierärzte bearbeiten die Räder und das Gestell der Kraftfahrzeuge mit Desinfektionsmitteln und prüfen, ob mit den Kfz Fleisch oder Fleischwaren, Jagdbeute, Tierfutter oder sonstige verbotene Güter befördert werden.

Die Zukunft der Kurischen Nehrung macht große Sorgen. Der erste beste Seesturm könnte der einmaligen Landzunge zum Verhängnis werden. Die Vordüne am Fuße der Kurischen Nehrung erfüllt natürlich eine Schutzfunktion, sie schrumpft aber zusehends und Meereswasser beginnt dort den Wald zu überfluten. Es fehlt wenig und der niedrigste Teil der Nehrung – ihr Fuß – kann von Wassermassen aus der Ostsee bis zum Anschluss an das Kurische Haff überrollt werden. Der Boden besteht hier größtenteils aus Torf mit einer dünnen Sandschicht obenauf. Es sind nur die Vordüne und ein paar Küstenschutzanlagen, welche die Nehrung noch eine Landzunge sein und nicht eine Insel werden lassen. Trifft man keine Gegenmaßnahmen, so kann es wieder zu einem Zusammenschluss von Meer und Haff kommen – wie 1983, als die Nehrung infolge eines starken Seesturms drei Tage lang eine Insel gewesen war. Damals konnten die katastrophalen Folgen des Seesturms unter Aufgebot aller Kräfte beseitigt werden. Die Zerstörung der Vordüne geht indes weiter. Wird dem nicht dringend Einhalt geboten, können die Folgen unabsehbar sein: Aus der Nehrung kann letztendlich eine Insel werden.

Ein Punkt des Föderalprogramms zum Ausbau des Verkehrswesens in Russland sieht den Bau eines Tiefseehafens in Neukuhren (Pionerski) vor. Das Föderalprogramm ist für den Zeitraum von 2010 bis 2021 ausgelegt worden. Der geplante Tiefseehafen soll in der Lage sein, größere Kreuzfahrt- und Frachtschiffe zu empfangen und jährlich bis zu 305.000 Fahrgäste und circa 80.000 Frachtstücke abzufertigen. Die Baukosten werden auf voraussichtlich acht Milliarden Rubel geschätzt. Die für den Bau notwendigen Planungsunterlagen sind komplett erstellt worden. Man wird es jedoch nicht mehr schaffen, den Tiefseehafen in Neukuhren (Pionerski) vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft, wie es ursprünglich geplant war, fertigzubauen. Man kann mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme der Hafenanlagen erst ab 2019 rechnen.

Neuheiten gibt es auch vom Fußballstadion in Königsberg. Der Pressedienst des einheimischen FC „Baltika“ teilt mit: Beim allerersten Fußballspiel im neugebauten Stadion tritt „Baltika“, Kaliningrad, gegen „Torpedo“, Wolgograd, an. Das Datum steht fest: 17. März 2018. Das WM-Stadion auf der Insel Lomse (Oktjabrskij) ist für 35.000 Zuschauer ausgelegt. Dieses Fassungsvermögen wird auch nach Abschluss der Fußball-WM erhalten: Der oberste Tribünenrang wird nach der WM wider ursprünglichen Plans nicht abgebaut. Man verlegt jetzt auf der Baustelle die erforderlichen Versorgungsnetze, putzt die inneren Räume des Stadions aus und stellt Sitze auf den Tribünen auf.

Die reguläre Flugverbindung zwischen Königsberg und Berlin ist endlich wiederhergestellt worden. Die Linie wird dreimal wöchentlich – montags, mittwochs und freitags – von Maschinen der russischen Fluggesellschaft RusLine beflogen. Ein Sprecher der Fluggesellschaft berichtete, dass Tickets auf der Strecke im Durchschnitt 85 Euro kosten. RusLine setzt auf der Linie zwischen Powunden (Chrabrowo) und Tegel Passagierjets des Typs „Bombardier CRJ200“ aus kanadischer Produktion ein. Die neue Flugroute ist in dem für Herbst und Winter geltenden Flugplan bereits präsent. Ob sie auch nach März 2018 bestehen bleibt, hängt von der Auslastung der Maschinen ab. Bis Anfang Januar 2016 wurde die Strecke zwischen Kaliningrad und Berlin von der AirBerlin beflogen.

Quelle: Königsberger Express